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Pro & Contra von datierten und undatierten Texten

Kürzlich verfolgte ich eine von Content Marketing Guru Joe Pulizzi angestoßene Diskussion darüber, ob Inhalte und Blogbeiträge im Internet mit einem Datum versehen sein sollten oder nicht. Das Grundproblem dieser Frage verdeutlicht bereits das erste Wort dieses Artikels: "Kürzlich" ...

Vielleicht schreiben wir mittlerweile das Jahr 2015 und Sie sind über eine Suchmaschine hierher gelangt. Dann ist "kürzlich" schon ziemlich lange her. Hätte der Artikel ein Datum, wären Sie aber vielleicht gar nicht erst hier gelandet, weil Sie so altem Content in der Liste der Suchergebnissen keine Chance mehr geben. Was aber, wenn die Inhalte dieses Beitrags noch immer aktuell und informativ sind? Wäre es dann nicht schade, wenn Sie gar nicht mehr hierher finden würden? Sie sehen: Das Problem ist vielschichtiger, als es auf den ersten Blick scheint. Daher will ich das Thema „Content datieren oder undatiert lassen" hier einmal näher beleuchten und aus verschiedenen Perspektiven betrachten.

Für mich ist das Datum bei Recherchen zu einem bestimmten Thema ein wichtiges Kriterium, ob ich einen Link klicke und dem Verfasser eine Chance gebe oder einfach weiterscrolle. Denn bei der Masse an Suchergebnissen ist dies die erste und einfachste Selektionsmöglichkeit - wenn ich nicht bereits vorher bei Google den Zeitrahmen der Suche eingrenze. Außerdem ermöglicht mir das Datum - zumindest subjektiv - den Kontext der Information besser einzuordnen. Ein Artikel zum Android Betriebssystem aus dem Jahr 2012 wird andere Fragen behandeln als der Test der letzten Woche.

Der Autor Jonathan Crossfield hat genau zu diesem Punkt ein schönes Beispiel gefunden, das zeigt, wie wichtig das Datum sein kann, um die Relevanz eines Artikels zu bewerten. Über Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte, bevölkerten neun Planeten unser Sonnensystem. Insofern sollten wir davon ausgehen, dass Content zum Thema "Die neun Planeten unseres Sonnensystems" ziemlich zeitlos ist. Das war er auch bis zum 24. August 2006. Denn an diesem Tag wurde beschlossen, dass der kleine Pluto seinen Status als Planet abzugeben hätte. Auf einmal war er raus und seitdem tummeln sich nur noch acht Planeten in ihrer Bahn um unsere Sonne. Das ist traurig für Pluto, aber für unsere Internetrecherche heißt das: Mit einem Mal sind Beiträge zu unserem Sonnensystem, die vor Sommer 2006 datieren, ein wenig veraltet und eventuell nicht mehr ganz so verlässlich. Das Veröffentlichungsdatum zeigt mir das auf den ersten Blick.

Testen Sie, welche Ergebnisse Sie erhalten, wenn Sie das Wort Planeten googlen! Heute, am 19. März 2014 erscheint als einer der ersten Treffer nach Wikipedia, Werbung und den News gleich auf Platz zwei die Kinder-Wissensseite "Blinde Kuh" mit dem Artikel "Unser Sonnensystem - Planetensurfen und Informationen über 9 schicke Planeten ...". Zwar wird dieser Fehler auf der Seite richtig gestellt, aber da ist es für das Kind, das schnell die Antwort auf die Frage nach unseren Planeten sucht, vermutlich schon längst zu spät. Hätte der Artikel ein Veröffentlichungsdatum gehabt, wäre dem jungen Suchenden dieses Missgeschick vielleicht erspart geblieben, denn womöglich hätte der Artikel seine gute Google-Ranking-Position verloren. Zu Recht wie ich meine, denn ist es nicht besser, wenn es für veralteten Content schwieriger wird, auffindbar zu werden und wenn es stattdessen besseren, aktuelleren Content gibt?

Traffic ist aber nun mal für viele Seiten und Autoren das A und O. Je mehr Menschen auf meine Seite kommen, desto größer fühle ich mich, desto wertvoller ist meine Seite und desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, den Besucher für was auch immer zu begeistern. Und glaubt man den Kommentaren der Facebook-Konversation, reden wir nicht über ein paar Menschen, sondern über 25% mehr Traffic bei Artikeln, die ohne Datum in den Suchergebnissen auftauchen. 25%! Warum also aus Rücksicht auf die User Traffic verschenken? Es muss ja nicht gleich der ganze Artikel veraltet sein. Viele Autoren sind bestrebt, zeitlosen Content zu produzieren und tun dies auch nach bestem Wissen und Gewissen.

Aber was nützt mir der Traffic, wenn die Besucher in Scharen kommen, nur um feststellen zu müssen, dass der Beitrag letztlich doch inaktuell ist, ihr Problem nicht löst, ihre Frage nicht beantwortet? Die Besucher kehren sich ab und verschwinden? Ist es nicht sogar so, dass sie sich womöglich ärgern, wenn sie mit dem Besuch einer nicht aktuellen Seite Zeit verschwendet haben? Welches Vertrauen haben sie dann noch in andere Artikel dieser Seite?

Es geht in diesem Beitrag um Content produzierende Unternehmen, Agenturen und Autoren und eigentlich nicht um den How-to-Guide, wie ich am besten den Zahnriemen an meinem Renault 4 Baujahr 1974 wechsle  - der dürfte auch noch länger aktuell sein. Aber selbst bei diesem Beispiel weiß doch der User, dass er es riskieren kann, auch einen Artikel zu lesen, der das Veröffentlichungsdatum 2009 trägt. Warum sollte ihn das in diesem Fall davon abhalten, dem Autor die Ehre zu erweisen?

Außer Traffic, Traffic und Traffic gibt es also eigentlich keinen guten Grund, auf das Datieren der Artikel zu verzichten, denn zusammengefasst spricht einiges für eine Datierung eines Beitrags:

  • Datieren räumt auf – veraltete Artikel wandern in den Ergebnissen nach unten
  • Datieren hilft dem User, die Aktualität einzuordnen, BEVOR er auf die Seite geht
  • Artikel mit einem aktuellen Datum werden lieber querverlinkt von andern Autoren als alte Artikel
  • Die Datierung des Artikels erhöht die Chance, bei einer zeitlich begrenzten Suche den Sprung in die Ergebnisliste zu schaffen.
  • Nach meiner Einschätzung der Diskussion honorieren mindestens die Hälfte aller User das Datum bzw. ignorieren Suchtreffer ohne Datum


Doch auch diese Münze hat nun einmal zwei Seiten. Denn auch das Verzichten auf ein Veröffentlichungsdatum hat seine Argumente:

  • Bei zeitlosen Inhalten kann ein älteres Veröffentlichungsdatum dazu führen, dass weniger Menschen dem Beitrag eine Chance geben
  • Artikel mit einem Zeitstempel können von Google abgewertet werden, wenn sie nach dem reinen Datum an Aktualität verlieren. Das bedeutet in der Regel einen Verlust an Traffic

Updates können helfen

Haben Sie schon einmal eine moderne Website mit einem alten Browser betrachtet? Das kann schlimm aussehen. Was tun wir in der Regel mit Software, die wir benutzen? Spätestens wenn sie nicht mehr up to date ist und zu Problemen führt, aktualisieren wir sie. Warum übertragen wir diese Möglichkeit nicht auch auf unseren Content?


Ian Lyons skizziert in einem Kommentar zu diesem Thema einen meiner Meinung nach exzellenten Ansatz: Die Redakteure der Seite (leider gibt es diese nicht mehr) wurden automatisch von deren Content Management System daran erinnert, einen ihrer Artikel auf dessen Aktualität zu überprüfen. Je nach Thema variierten die Zeiträume, aber nach spätestens drei Monaten sollten sie geprüft und aktualisiert werden. Ian schreibt weiter, dass diese Maßnahme den Redakteuren zum einen schöne Ergänzungen des Redaktionskalenders waren, zum anderen geben die Kommentare und die Diskussion immer wieder eine tolle Quelle für Updates.

Warum also nicht das Veröffentlichungsdatum ergänzen durch den Zusatz: "Überarbeitet: Tag/Monat/Jahr?

Google ändert alles - wieder einmal

Zum Schluss aber gibt es noch eine sich permanent ändernde Variable, die bei diesem Thema eine Rolle spielt: Der Suchalgorithmus von Google. Seit dem Rollout von Hummingbird, dem jüngsten Google Update, spielen der Autor und der Zusammenhang bzw. die Formulierung der Suchanfrage eine wachsende Rolle. Die Macht der Keywords und Datierungen dagegen wird an Relevanz verlieren. Jay Bear - ein anerkannter Social Media und Content Profi – prognostiziert, dass deshalb viele, die heute noch auf die Datierung pochen, schon bald darauf verzichten werden. Wenn Google es allerdings schafft, die Suchtreffer besser aus dem Sinnzusammenhang der Suchanfrage zu generieren, verliert das Datum zwar an Relevanz hinsichtlich der Positionierung in der Trefferliste, aber ist das nicht eigentlich ein Grund mehr dafür, dass Datum zu integrieren? Schließlich wird die Gefahr kleiner, dass großartiger Content aufgrund des Datums an Suchergebnisrelevanz verliert.

Entscheidend ist der Mensch

Schlussendlich gibt es bei diesem Thema keinen eindeutigen Gewinner, denn das Internet ist ein Ort permanenter Veränderung. Jonathan Crossfield formuliert das sehr schön: Digital content is fluid, dynamic and constantly changing - also fließend, dynamisch und permanent in Bewegung. Warum also nicht ein wenig mehr Zeit aufwenden, die fleißig erarbeiteten Inhalte ein wenig besser zu pflegen, sie aktuell zu halten und von Zeit zu Zeit in sich zu gehen und die Relevanz des Beitrags kritisch zu prüfen?

In diesem Sinne schauen wir einmal, inwieweit sich der Stand der Diskussion oder die Realität im Internet in einem halben Jahr auf diesen Beitrag auswirkt. Glauben Sie, dass es bei diesem Thema einen eindeutigen Standpunkt gibt? Wie gehen Sie mit Suchergebnissen mit und ohne "Time-Stamp" um?

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