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Was bedeutet Barrierefreiheit im Internet?

Rollstuhlfahrer brauchen Rampen. Diese Erkenntnis ist heutzutage auch den Menschen bewusst, die selber keinen Rollstuhl benötigen. Doch dies reicht bei Weitem nicht aus. Auch das Internet sollte für alle Menschen zugänglich sein ...

Der Begriff „Barrierefreiheit“ lässt sich nicht auf Gehbehinderungen reduzieren, sondern bezieht sich auf Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen und auf unterschiedliche Lebensräume. Er bedeutet, dass Gebäude und Orte, Verkehrsmittel und Gebrauchsgegenstände, Dienstleistungen und Freizeitangebote so gestaltet werden, dass sie allen Menschen zugänglich sind. Auch Menschen mit Behinderungen sollen sie ohne besondere Erschwernis und möglichst ohne fremde Hilfe benutzen bzw. betreten können.

Barrierefreiheit im Web verfolgt das Ziel, behinderten Menschen den Zugang zu Informationstechniken uneingeschränkt zu ermöglichen.

Die „Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung - BITV 2.0)“, welche schon am 17.07.2002 in Kraft trat, schreibt vor, dass Webauftritte von Bundesbehörden barrierefrei, d.h. für Menschen mit Behinderungen, nutzbar sein müssen.

"Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung vom 12. September 2011 (BGBl. I S. 1843)"Das Gesetz beinhaltet Vorschriften, wie unter anderem alternative Texte zu Bildern und Videos deren Inhalte in Textform darzustellen haben.

Barrierefreiheit kann aber auch bedeuten, die Webseite ausschließlich mit der Tastatur steuern zu können bzw. anderen Ein- & Ausgabegeräten, wie Sprachsteuerung, Spezialtastaturen, Screenreader, elektronische Steuerung (über Augen-/Kopfbewegungen, Infrarot, etc.) oder mit Hilfsmitteln, die über den Atem (Saugen, Blasen) bedient werden.

Barrierefrei ist mehr als nur eine Textwüste

Um Barrierefreiheit einer Webseite zu erreichen, wurde oft vom Webseitenbetreiber eine alternative Textvariante angeboten und ebenjene als barrierefrei bezeichnet. Diese Variante ist mittlerweile überholt und sollte so nicht mehr umgesetzt werden. Moderne Webseiten sollte es nur in einer Variante geben, die alle Besucher gleichermaßen willkommen heißt.

Barrierefreiheit ist mehr als eine Randerscheinung – ein paar Zahlen und Fakten

Rund eine Milliarde Menschen haben eine Behinderung.

Menschen ohne Behinderungen sind durchschnittlich an etwa 5,1 Tagen pro Woche im Internet.
Menschen mit Behinderung an etwa 6,5 Tagen pro Woche.

Laut einer Umfrage in Kanada besitzt ca. 45% der Bevölkerung ein Smartphone. Von 452 befragten Menschen mit einer Behinderung besitzen 93% ein mobiles Endgerät – 53% davon ein Smartphone und 25% ein Tablet. Das bedeutet, dass in Kanada relativ gesehen mehr Menschen mit Behinderung ein Smartphone besitzen als Menschen ohne Behinderung.

66% der EU-Bürger wären bereit, mehr Geld für barrierefreie Produkte zu bezahlen.

Wie nutzen Menschen mit Behinderung das mobile Internet?

Der Funktionsumfang von Smartphones geht weit über die üblichen Funktionen wie telefonieren, E-Mails abrufen, Wetter checken oder Facebook hinaus. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Apps, die das selbstständige und selbstbestimmte Leben von Menschen mit Behinderung erleichtern.

  • Gebärdendolmetscher für Gehörlose (z.B. VerbaVoice)
  • Kombinationen von Grafiken mit Sprachausgabe (Sono Flex) zur Unterstützung der Kommunikation
  • Suchfunktionen für Orte, wie z.B. Cafes mit Rollstuhlrampen (Wheelmap)
  • Farberkennungssoftware
  • Hilfen zum Lesen von Beipackzetteln
  • Vergrößerungssoftware
  • Blinden wird ermöglicht, den graphischen Aufbau von Webseiten zu erfassen

Darüber hinaus nutzen Menschen mit Behinderungen natürlich auch Apps zum Bestellen von Taxen, zum Musik-Streaming oder zum Spielen. Das dort meist auftretende Hindernis ist die mangelnde Zugänglichkeit, vor allem, wenn neue Betriebssysteme oder Geräte auf den Markt kommen.

Beispiel CAPTCHA: Nicht barrierefrei?

Um Formulare in Webseiten vor automatisierter Schadsoftware zu schützen, werden oft CAPTCHAs eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein Bild, das eine Folge zufälliger Buchstaben und Ziffern zeigt. Diese werden durch Hintergründe oder Verzerrung absichtlich schwer lesbar gemacht. Diese Zeichenfolge soll der Nutzer erkennen und in ein Eingabefeld eingeben. Eine Schadsoftware ist normalerweise nicht in der Lage, die Zeichenfolge auf dem Bild zu erkennen. Dies soll sicherstellen, dass das Formular von einem Menschen ausgefüllt wurde und nicht von einer automatisierten Software. Der einzige Haken: Sehbehinderte Menschen können das Bild ebenfalls oft nicht erkennen. Dadurch wird ihnen das Absenden des Formulars unmöglich. Selbst Screenreader erkennen die Zeichenfolge nicht und können nur den Alternativtext auslesen.

Um diese Formulare barrierefrei zu machen, gibt es nun die Möglichkeit entweder den Inhalt der CAPTCHA-Grafik in Form einer Audiodatei akustisch bereit zu stellen oder ein anderes barrierefreies Sicherheitskonzept als CAPTCHA einzusetzen. 

Was kann ich als Entwickler tun, um Barrierefreiheit zu erreichen?

Struktur:

  • Hierarchie der Überschriften nutzen. (H1, H2 etc.)
  • HTML-Elemente korrekt in ihrer ursprünglichen Funktionsweise einsetzen (Absätze, Tabellen, Listen etc.)
  • Logische Seitenstruktur und Benennung der Navigationspunkte
  • Wird auf der Webseite eine Suche genutzt, sollte das Suchfeld das erste Eingabefeld im Quelltext sein
  • Links sinnvoll beschriften
  • Alternativtexte zu Bildern einbinden, die deren Informationen wiedergeben

Farbe:

Die Farben auf einer Webseite spielen für die Barrierefreiheit eine zentrale Rolle. Grelle Farben und blinkende, flackernde Inhalte können beispielsweise für epilepsiegefährdete Menschen problematisch sein. Auch den acht Prozent aller Männer weltweit, die eine Rot-Grün-Sehschwäche haben, werden besser mit der Webseite zurecht kommen, wenn auf ebendiese Rot-Grün-Kombinationen verzichtet wird bzw. keine Funktionalität zum Einsatz kommt, die nur über Farben dargestellt wird. Selbst für Nutzer mit nur einer leichten Sehbehinderung kann es schon sehr sinnvoll sein, für ausreichend Kontrast zwischen Text und Hintergrund zu sorgen.     

Immer mehr Menschen mit Behinderungen nutzen mobile Endgeräte, wie Smartphones und Tablets, um ihren Alltag zu erleichtern. Grund genug, sich als Webseitenbetreiber Gedanken über Barrierefreiheit der eigenen Webseite zu machen.

 

Quellen:

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